Startseite | Aktuelles | Kontakt | Spenden | Mitgliedervorteile | Seitenübersicht | Leichte Sprache
www.awo-roth-schwabach.de › Aktuelles
25.04.2014

Einschneidende Veränderungen

Schuldnerberatung informiert über neues Insolvenzrecht

Vor einschneidenden Veränderungen im Insolvenzrecht warnen die Schuldnerberater des AWO Kreisverbandes Roth-Schwabach e.V. So würden sich in den neuen Reglungen zur Abwicklung von Insolvenzen ab dem 01. Juli wenig Licht, vor allem aber viel Schatten befinden. Der Leiter der Rother Beratungsstelle, Wolfgang Hunner rät Betroffenen daher, bei absehbarer Insolvenz noch vor dem Stichtag „reinen Tisch“ zu machen. Hilfe, Beratung und Unterstützung geben die Schuldnerberatungen in Roth und Schwabach, die an bestimmten Tagen auch in Hilpoltstein, Wendelstein, Abenberg und Thalmässing Beratungstermine anbieten.

Positiv wertet Hunner die erweiterten Mitwirkungsmöglichkeiten anerkannter Schuldnerberatungsstellen. So können die Berater zukünftig auch Vertretungen vor Gericht übernehmen. „Eine Aufwertung, wenn auch bislang keinerlei Gegenfinanzierung für den erhöhten Arbeitsaufwand in Aussicht gestellt wurde“, so Hunner. Im gerichtlichen Verfahren können durch so genannte Insolvenzpläne, mit denen der Schuldnerberater versucht, mit den Gläubigern eine Einigung zu erzielen, durch Gruppierung sperrige Gläubiger überstimmt werden und so dennoch eine Kompromisslösung gefunden werden.

Einen negativen Aspekt sieht Hunner hingegen im erweiterten Anfechtungsrecht, welches zukünftig dem Insolvenzverwalter zugestanden wird. So kann dieser Zahlungen von Schuldnern an deren Gläubiger bis zu zehn Jahre in die Vergangenheit zurückfordern, wenn es zum Zeitpunkt der Zahlung bereits Anhaltspunkte auf eine drohende Insolvenz gegeben hat. Aus Sicht des Schuldnerberaters könne allein die Vereinbarung zu Ratenzahlung als ein solcher Hinweis interpretiert werden und Überweisungen auf Jahre zurück ungültig machen. Probleme in der Praxis könnten sich beispielsweise ergeben, wenn Eltern die Kaution ihrer Kinder für Mietwohnungen übernehmen oder bei der Finanzierung des ersten Autos unterstützen. Durch die Rückforderung von Ratenzahlungen an die Staatsanwaltschaft könnten Betroffenen sogar nachträglich Gefängnisstrafen drohen. Negativ bewertet Hunner auch eine zweite Neuerung im Insolvenzrecht. So berechne sich die Vergütung der Insolvenzverwalter zukünftig nicht mehr nach festen Sätzen, sondern anteilig an der Schuldenmasse. Dadurch profitiere der Insolvenzverwalter mit jeder Zahlung, die er zurückfordere. Damit sei aus Sicht von Hunner auch die neue in Aussicht gestellte Restschuldbefreiung bereits beim Erreichen einer 35 Prozent Quote an bezahlten Schulden nach drei Jahren eine „Mogelpackung“, fließe das meiste Geld anstatt in die Tilgung in in die Bezahlung des Insolvenzverwalters.

Intention der neuen Regelungen sei laut Hunner, Betroffene möglichst schnell zum Offenbarungseid zu bewegen und ein Verschleppen oder Verzögern der Insolvenz zu vermeiden. Um noch von den alten Regelungen im Insolvenzrecht zu profitieren, rät Hunner bei Betroffenheit noch vor dem 01. Juli die Zahlungsunfähigkeit anzumelden. Hilfe und Beratung bieten dafür die AWO-Schuldnerberatungsstellen in Roth und Schwabach. Die Unterstützung hier ist kostenlos, vertraulich und unverbindlich. In Einzelfällen werden auch Hausbesuche durchgeführt.

Kontakt: Wolfgang Hunner, 09171 / 9664430, Sabine Albuscheit, 09122 / 9341-800

www.awo-roth-schwabach.de