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Vortrag mit Prof. Dr. Burkard Jabs am 29.10.15

Im vergangenen Jahr haben rund 600 Menschen, davon zwei Drittel Frauen, die Beratungsstellen für seelische Gesundheit im Landkreis Ansbach aufgesucht. Weil psychische Erkrankungen immer mehr um sich greifen, referierte jetzt Prof. Dr. med. Burkhard Jabs vom Städtischen Klinikum Dresden-Neustadt über den hilfreichen Umgang mit Depressionen in Alltag und Arbeit.

Jabs, ein ehemaliger Feuchtwanger, ist in der Sachsenmetropole als Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie tätig und war jetzt von der Arbeiterwohlfahrt und der Diakonie Ansbach eingeladen worden, welche unter dem Motto „Hallo Leben“ in Kooperation zahlreiche Aktionen rund um die seelische Gesundheit initiiert haben. Eine Abschlussveranstaltung in Form einer Vernissage findet am 13. November um 19 Uhr in der Tagesstätte der Arbeiterwohlfahrt in Feuchtwangen statt.

Auch weil Depressionen und „Burn-Out“ derzeit in aller Munde wären, engagiert sich Jabs über seinen Beruf hinaus im Dresdener „Bündnis gegen Depression“, auch um gegen immer noch vorhandene Vorurteile gegen die Krankheit anzukämpfen. „Über die Traurigkeit hinaus“ war deshalb jetzt sein Vortrag tituliert, mit dem er die Betroffenen und Angehörigen zum wichtigsten Schritt animieren will: sich Hilfe holen, wenn diese erforderlich wird.

Aktuell litten etwa fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland an einer Depression. Im Laufe eines Lebens erkrankt etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann an dieser Krankheit; unabhängig von Alter oder sozialer Schicht. Das größte Problem dabei sei zunächst, dass eine Depression häufig lange unerkannt bliebe oder nicht ernst genommen werde, so Jabs, der weiß, dass körperliche Symptome die Krankheit oft überdecken.

Selbst zugelassenen Hausärzten fehle es oft an Wissen und Zeit für eine umfassende Abklärung oder ein so genanntes „Screening“. Auch werde die Krankheit oft unzureichend behandelt, weil die Betroffenen einfach eine Abneigung vor einer Behandlung hätten oder mitunter auch Vorbehalte gegen die Einnahme von Psychopharmaka vorbrächten. So erhalten nur etwa zehn Prozent der Patienten eine adäquate Therapie.

Eine Depression bringe stets sowohl körperliche wie auch gewisse Verhaltens-Symptome mit sich. Im schlimmsten Fall führe dies zu Suizidgedanken, vor allem bei aktuellen Lebenskrisen auf Grund persönlicher Erfahrungen. Noch immer versterben in Deutschland rund 15 Prozent der Patienten mit einer schweren Depression durch Selbstmord. Bis zu 25 Prozent unternehmen zumindest einen Suizidversuch, während 70 Prozent immerhin über einen Suizid nachdächten.

Die Zahl der Toten durch Suizid liege in Deutschland jährlich bei etwa 10000 Menschen. Das seien mehr Tote als durch illegalen Drogenkonsum, Mord und Totschlag, Verkehrsunfälle und AIDS zusammen ums Leben kommen würden, so Jabs, der deshalb mit Vehemenz auf die vielschichtigen Behandlungsmöglichkeiten hinwies. In leichtern Fällen könnten Bewegung und eine Lichttherapie schon Abhilfe schaffen.

Liesen sich damit keine Erfolge erzielen, so kämen eine sozialtherapeutische Unterstützung in Verbindung mit einer medikamentösen Therapie oder einer Psychotherapie zum Tragen. Je nach Schweregrad einer Depression könnten auch verschiedene Ansätze miteinander kombiniert werden, wodurch bis zu  80 Prozent der Betroffenen geholfen werden könne.  

Eines machte Jabs jetzt in der Jahn-Turnhalle deutlich: Eine Depression hat viele Gesichter und kann jeden Einzelnen treffen. Die Ursachen dafür seien sehr vielschichtig. Von enormer Wichtigkeit sei es deshalb, sich schnell und gezielt helfen zu lassen. Carina Rabe vom Sozialpsychiatrischen Dienst der Diakonie Ansbach, Außenstelle Feuchtwangen, bedankte sich jetzt beim sächsischen Referenten mit Feuchtwanger Wurzeln in Form von fränkischen Spezialitäten als Präsent. (Artikel und Bilder: Heinz Meyer)